Dem Wasser auf den Grund

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Am 06.09.2018 entnahm Greenpeace Wasserproben aus Gewässern in und um Paderborn. Die Proben wurden noch vor Ort auf Rückstände aus der Massentierhaltung – in erster Linie Nitrat, z.B. aus Gülle - untersucht. Eine Probe wird im Nachgang außerdem in einem Speziallabor auf multiresistente Keime untersucht, die durch den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung entstehen können. Solche Keime sind eine ernste Bedrohung für die menschliche Gesundheit.

An einem Infostand in der Paderborner Westernstraße haben am Nachmittag dann auch einige BürgerInnen Wasserproben abgegeben.

Die gefundenen Nitrat-Werte unterscheiden sich je nach Gewässer. Als „Messlatte“ kann der Richtwert aus der „Oberflächengewässerverordnung“ für Nitrat-Stickstoff heran gezogen werden: er beträgt 2,8 mg/l (Milligramm pro Liter). Gewässer, die diesen Wert nicht überschreiten, haben zumindest in Bezug auf den Nitrat-Wert eine gute Gewässerqualität.

Einige Messwerte im Überblick:

Unauffällig:

Habichtssee und Waldsee: 0,4 mg/l

Haustenbach: 1,9 mg/l

Dubelohgraben: 2,1 mg/l

Emsquelle: 2,2 mg/l

Auffällig:

Alme und Lippequelle: 4,5 mg/l

Paderquellen: Quelle aus der Kaiserpfalz: 5,2 mg/l, Warme Pader: 5,9 mg/l, Augenquelle 7,1 mg/l

Deutlich überhöht:

Gunne bei Delbrück-Boke: 10,7 mg/l

Dieser Wert übersteigt den Richtwert um das 3,8-fache. Er ist vermutlich darauf zurück zu führen, dass die Gunne dort unmittelbar durch intensiv landwirtschaftlich genutztes Gelände (Maisäcker) fließt. Aus der Gunne wurde daher zusätzlich eine Probe entnommen, die in einem Speziallabor auf multiresistente Keime untersucht wird. Das Ergebnis wird allerdings erst in einigen Wochen vorliegen.

Auch das Wasser der untersuchten Paderquellen ist auffällig belastet. Auf der Paderborner Hochfläche versickert Wasser in landwirtschaftlich genutztem Gebiet, strömt durch das Karst-Gestein und tritt in den Paderquellen wieder an die Oberfläche. Die Belastung durch Nitrat ist erhalten geblieben – und noch ca. doppelt so hoch wie der Richtwert.

Die Messungen in und um Paderborn sind Teil einer Informations- und Messtour von Greenpeace durch 22 Städte. Die gesamten Ergebnisse werden anschließend veröffentlichen. Greenpeace will damit auf die Gefahren hinweisen, die sich insbesondere durch die industrielle Massentierhaltung ergeben: Die Gülleflut aus der Massentierhaltung überdüngt die Felder und gefährdet so Wasser und Mensch

Der Europäische Gerichtshof hat deshalb bereits Deutschland im Juni verurteilt, weil es zu wenig für den Schutz des Wassers unternimmt. Es drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe, die letztlich die Steuerzahler tragen. Greenpeace fordert von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Düngeverordnung, die die Nährstoffe für alle Betriebe bilanziert und in einem Kataster erfasst, wieviel Gülle wohin transportiert und ausgebracht wird.

Weiterführende Links

Weitere Informationen auf greenpeace.de

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